Bibelübersetzung der frühen niederländischen Republik

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1637 erschien die erste direkt aus den Ursprungssprachen übersetzte Bibel in niederländischer Sprache, welche aufgrund ihres Auftraggebers, des ‚Staten- Generaal‘ auch ‚statenvertaling‘ oder ‚statenbijbel’ genannt wurde. Sie hatte großen Einfluss auf das heutige Niederländisch. Bis dahin wurde die Schriftsprache von den unterschiedlichen Dialekten bestimmt.

Die Bibel wurde im Auftrag und auf Kosten der damals größten Autorität der niederländischen Republik, des ‚Staten- Generaal‘, übersetzt und gedruckt. Der Wunsch nach einer eigenen Bibelübersetzung kam von den Calvinisten. Sie wünschten sich eine direkt aus dem Hebräischen (Altes Testament) und dem Griechisch und Aramäischen (Neues Testament). Bisher hatte es lediglich Übersetzungen von Bibelübersetzungen anderer Sprachen gegeben, wie zum Beispiel eine Übersetzung der deutschen Lutherbibel in das Niederländische, weshalb auch Wörter aus dem Deutschen ihren Weg in die Niederlande gefunden haben.

Der Auftrag für die ‚statenbijbel‘ wurde 1618 erteilt. Die Bibel sollte in einer Sprache verfasst werden, die von jedermann gelesen und verstanden werden konnte. In Dordrecht berieten sich nationale und internationale Kirchenoberhäupter ein halbes Jahr lang, um sich über Form, Inhalt und Schreibstil zu einigen und um zu bestimmen, welche Personen die Übersetzungsarbeit durchführen würden. Es wurden Regelungen über Sprachgebrauch und Rechtschreibung getroffen, die Übersetzer folgten so weit wie möglich dem allgemein kultivierten Niederländisch aus der Zeit. Die benannten Übersetzer kamen aus Friesland, Ost-Flandern, Zeeland und Holland. Sie besaßen theologisches und literaturwissenschaftliches Wissen, zogen nach Leiden und erhielten wissenschaftliche Unterstützung. Nach fast 20 Jahren war die erste Bibel fertig.

Im Anschluss an diese Übersetzungsarbeit wurde korrigiert. Aus jeder Region des Landes sollte ein Fachmann anwesend sein. Aus Drenthe und Overijssel kam aus Mangel an Fachleuten niemand, weshalb östliche Dialekte sich nicht in dieser Bibelübersetzung durchgesetzt haben. Den größten Einfluss hatten die südlichen Dialekte (Brabants), denn hochausgebildete Immigranten aus dem Süden genossen Vorbildfunktion und großes Ansehen.

Die Bibel wurde viel gedruckt und von normalen Bürgern gelesen. Die Schriftsprache dieser Bibel wurde als Vorbild für guten Sprachgebrauch gesehen und auch in Schulen benutzt. Dadurch konnte die ‚statenbijbel‘ einen großen Beitrag zur Sprachentwicklung in den Niederlanden leisten.

Um 1650 wurde Niederländisch als allgemeine Einheitssprache akzeptiert. 1815 wurde es von König Wilhelm I. als Landessprache ausgerufen. Man nannte die Sprache ‚Niederländisch‘. Bis dahin war der Term ‚Neder-Duits‘ gebräuchlich. 1898 schaffte Wilhelmina nach ihrer Krönung Französisch, welches bis in das Mittelalter großen Einfluss auf die Sprache gehabt hatte, auch am Hof ab.


Quellen