Inszenierungen im Fremdsprachenunterricht

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Inszenieren ist bewusstes Gestalten für ein Publikum.

Der Fremdsprachenunterricht selbst besitzt Inszenierungscharakter. Man vergleicht ihn mit einer "Bühne", "auf der bereits auf der Ebene der ’Kommunikationsform Unterricht’ ein diskursiv-soziales Spiel inszeniert wird." [1] Ziel der Inszenierung im Unterricht ist die Schaffung von Situationen, in denen möglichst echte Kommunikationsabsichten durch fremdsprachliches Handeln realisiert werden können.

Durch die digitalen Medien des 21. Jahrhunderts kommen neue „Bühnen“ hinzu, denn Websites wie YouTube sind letztendlich nur digitale Präsentationsplattformen.
Aktuelle Forschungen belegen, dass dramapädagogische Übungen (die zumeist bewegungsgekoppelt sind) positive Behaltenseffekte ergeben.[2]

Inhaltsverzeichnis

Zum Begriff

Der Begriff "Inszenierung" wird in unterschiedlichen Kontexten gebraucht, die jeweils für das Fremdsprachenlernen von Bedeutung sind. Er meint allgemein das bewusste Gestalten für ein Publikum.

  • traditionell in Ritualen, Feiertagen, bestimmte Kleidungen, "Sich-zur-Schau-stellen"

Der klassische Begriff

ZitatAnfang.gifUnter Inszenierung (von griechisch σκηνή, skene: zu Deutsch eigentlich „Zelt“) versteht man das Einrichten und die öffentliche Zurschaustellung eines Werkes oder einer Sache.ZitatEnde.gif


Aus: W-Logo.gif Inszenierung, Wikipedia – Die freie Enzyklopädie, 15.05.2016 - Der Inhalt unterliegt der. Bei Wikipedia ist eine Liste der Autoren verfügbar.

Man versteht darunter die Aufführung eines Bühnenwerkes -> das "In-Szene-setzen".

Beispiele, die sich eher auf den klassischen Begriff beziehen:

Szenisch-dramatische Großformen

  • produktorientierte Projekte:

Szenisch-dramatische Kleinformen

  • Inszenierungen von Lehrbuchdialogen
  • Rollenspiele
  • fiktive Interviews
  • Standbilder
  • pantomimische Szenenfolge
  • Stimmencollagen

Der Begriff im Alltagskontext

"Im Alltag können auch eine Geste, ein Augenaufschlag, ein Sportevent, ein Fernsehinterview oder eine politische Großveranstaltung inszeniert sein. Auch hier wird bewusst gestaltet für ein mehr oder weniger großes Publikum, nur wird hier nicht ein dramatischer Text, sondern ein Ausschnitt der Lebenswirklichkeit inszeniert."

[3]

Man spricht in diesem Kontext von der „Inszeniertheit von Wirklichkeit“, das heißt, Alltagshandlungen sind von Inszenierungen und Selbst-Repräsentationen geprägt. In diesen Alltagsinteraktionen bilden sich verschiedene Rollen und Identitäten heraus.

Der Begriff im Kontext der aktuellen Medienwirklichkeit

Mit dem Siegeszug des Internets und der dadurch sich ständig verändernden Lebenswelt der Jugendlichen kann man von einer Verstärkung des Inszenierungscharakters der Wirklichkeit sprechen. Für den Fremdsprachenunterricht entwickeln sich durch den "Auftritt auf der digitalen Bühne" neue Handlungsfelder.

Web2.0-Anwendungen wie Blogs, YouTube, Podcast/Videocasts usw. ermöglichen neue Inszenierungsformen. Dabei ist die grenze zwischen dem klassischen Kontext und der Inszeniertheit der Lebenswirklichkeit fließend.

Im Rahmen des "digitalen Sich-zur-Schau-stellen" bilden sich virtuelle Realitäten, Rollen, Identitäten im Internet heraus, die nicht selten in Konkurrenz zur "realen" Welt stehen.

Der klassische Begriff als Symbol des Schulalltags

Ausgehend von Ähnlichkeiten zwischen Bühne und Schule (Inszenierung von Texten, "Verdichtung" von Themen, Inhalte und Gegenstände -> Didaktisierung von Inhalten, Präsentationen, Themen und Inhalte sollen bewusst reflektiert werden usw.) verwendet man oft die den klassischen Inszenierungsbegriff als Bild für den Schulalltag.

-> Siehe auch: Unterricht als Inszenierung / Bühne

Siehe auch

Links und Literatur

Allgemein

  • Almut Küppers, Torben Schmidt & Maik Walter (Hg.) (2011), Inszenierungen im Fremdsprachenunterricht / Grundlagen, Formen, Perspektiven. Braunschweig: Schroedel, Diesterweg, Klinkhardt. ISBN: 978-3-425-71214-7

Literarische Texte

Dramapädagogik – Dramagrammatik

Referenzen und Anmerkungen

  1. Hallet (2010): http://research.ucc.ie/scenario/2010/01/hallet/02/de ; S.6
  2. Sambanis, Michaela (2016): Dramapädagogik im Fremdsprachenunterricht – Überlegungen aus didaktischer und neurowissenschaftlicher Sicht. In: Even, Susanne/Schewe, Manfred (Hg.): Performatives Lehren, Lernen, Forschen – Performative Teaching, Learning, Research. Berlin: Schibri, S. 47-66.
  3. Almut Küppers, Torben Schmidt & Maik Walter (Hg.) (2011), Inszenierungen im Fremdsprachenunterricht / Grundlagen, Formen, Perspektiven. Braunschweig: Schroedel, Diesterweg, Klinkhardt. ISBN: 978-3-425-71214-7, S.6